Radeln

à la carte

Die Düfte und die Farben der Natur verraten es schon: Der Sommer liegt hinter uns und wir steuern auf den Herbst zu. Eine Zeit, in der die üppige Fülle des Sommers jenen dezenten, aber warmherzigen Naturfarben weicht, die nur der Herbst hervorzubringen vermag. Zeit für die Ernte. Und für eine frische Brise. Dafür setzen wir uns am besten aufs Fahrrad.

Indian Summer

Beginnen wir unsere Radtour in den Wäldern der Region Gaasterland. Der Schein der Sonne, von den Blättern gefiltert, lässt ebendiese Blätter in atemberaubend schönen Farben erstrahlen. Gelb, rot, braun und vereinzelt auch noch etwas grün geben sich in allen Schattierungen die Klinke in die Hand. Die Luft ist erfüllt vom Duft des Nachsommers. Den berühmten Indian Summer gibt es nicht nur in Amerika. Für uns beginnt er am Fahrradknotenpunkt 20 in Südwestfriesland.

NICHT VERGESSEN

  • Radwanderkarte mit Knotenpuntnetz erhältlich in allen Geschäftsstellen des Fremdenverkehrsvereins (VVV).


  • Fahrradtasche mit Eimer oder einem feuchten Tuch für die Blumen


  • Bargeld

Sloten - die Perle der elf friesischen Städte

Auf der Suche nach "Slow Food" radeln wir quer durch das leicht hügelige Gaasterland direkt in die malerische Stadt Sloten. Hier stoßen wir gleich zu Beginn auf eines der Wahrzeichen dieser bemerkenswerten Stadt: die Kornmühle De Kaai. Unübersehbar ragt sie auf dem Festungswall empor. In den Sommermonaten vernimmt man hier bisweilen Kanonendonner. Jetzt hört man nur noch das Surren der Mühlenflügel. Müllerin Tanja Kombrink heißt uns herzlich willkommen und berichtet, dass die Getreideernte im August bereits eingeholt wurde. An jedem Samstag zermahlt die Mühle - nur von der Windkraft betrieben - das Korn zwischen den riesigen Mühlsteinen zu Mehl. Das ist noch echtes Traditionshandwerk. Wir füllen unsere Fahrradtasche mit Backmischungen für Bauernpfannkuchen und Trockenkuchen. Das Wichtigste für unsere leckeren Herbstmehlspeisen haben wir damit bereits.

Anspruchsvolle Radtour

Wir verlassen die Moränenlandschaft und fahren am Weiler Spannenburg vorbei in Richtung Norden, wo Moor und Seen auf uns warten. In der Ferne sehen wir bereits die Weiten des Slotermeers. Im Vordergrund wird die Landschaft von langgestreckten landwirtschaftlichen Parzellen, die historisch so gewachsen sind. Vor allem, wenn man den Gegenwind in den Haaren spürt, kann dieser Teil unserer Radtour ganz schön anstrengend werden.


Zeit also für eine Verschnaufpause. Wir tauschen unseren Fahrradsattel gegen einen bequemen Stuhl ein und lassen uns in einem der Lokale im Wassersportdorf Woudsend zu Kaffee und Kuchen nieder. Im Hintergrund sehen wir die Flügel der Kornmühle Het Lam, ein Stück weiter verarbeitet das Sägewerk De Jager robuste Baumstämme zu brauchbarem Holz. Wir radeln unterdessen noch ein Stück weiter.

“wenn man den Gegenwind in den Haaren spürt, kann dieser Teil unserer Radtour ganz schön anstrengend werden.”

Fliegende Untertassen

Ein Wegweiser führt uns zum Pflückgarten Bascule im Dorf Hommerts. Dass hier im September geerntet wird, dürfte keinen verwundern. Das ganze Feld ist eine einzige Oase der Farben. Mit Korb und Schere machen wir uns auf den Weg zu den Leckereien, die uns dort erwarten. Wir sehen verschiedene Bereiche mit Blumen, Zucchini, Gurken und nicht zuletzt Kürbissen in allen erdenklichen Formen, mit klangvollen Namen wie Hokkkaido und Patisson.

Der Patisson ist weiß und ist mit der Zucchini verwandt. Ähnlichkeiten hat er allerdings eher mit einer fliegenden Untertasse. Trinalda, die Inhaberin von Bascule, gibt uns Tipps, was man aus einem Patisson so alles machen kann. Zum Beispiel eine Suppe, einen Auflauf oder auch in gefüllter Form. „Und die Kürbiskerne machen sich perfekt in einem leckeren Pesto!" Trinalda zaubert aus unseren gepflückten Sonnenblumen, Dahlien, Cosmea und Chrysanthemen mit ein paar Gräsern einen wunderschönen Feldstrauß. So weit, so gut, nur... wie kriegen wir den jetzt aufs Fahrrad?

Radwanderung

über Knotenpunkte ca. 50 km

  • 20-21-27-26-30-32-44-43-42-41-54
    (weiterfahren bis zum Pflückgarten Bascule)
  • 54-41-40-39-68-29-85-28-19-20

Radelnder Blumenkorso

Unsere Fahrradtaschen quillen inzwischen über vor Zucchinis, Kürbissen und einer wahren Blumenpracht. Der Einkauf fürs Abendessen dürfte damit erledigt sein. Zeit für den Rückweg. Und der führt uns direkt am Ufer des Slotermeers vorbei. Was sich dort im Wasser spiegelt, sieht aus wie ein einziges Erntedankfest. Tja, eigentlich haben wir genau das erlebt: ein Erntedankfest auf zwei Rädern. Nachdem wir Balk passiert haben, suchen wir wieder Schutz in den Gaasterländer Wäldern. Ein Tag im Indian Summer neigt sich dem Ende zu. Ein wenig müde, aber total erholt kehren wir zurück. Und das nicht mit leeren Händen, denn in unseren Fahrradtaschen stecken schließlich unsere Patissons nebst frisch gepflückten Kräutern und (gemahlenem) Getreide. Na, dann nichts wie ab in die Küche!

Kornmühle
De Kaai

Bolwerk Zuidzijde 81 Sloten

An Samstagen geöffnet, im September von 13.00 – 17.00 Uhr,

von Oktober bis Dezember von 10.00 bis 12.30 Uhr


www.molendekaai.nl

Kornmühle
Het Lam

Molestrjitte 4 Woudsend

Mittwochs geöffnet von 13:00 – 17:00 und donnerstags bis samstags von 10:00 - 17:00 Uhr


www.molenhetlam.nl

Sägewerk
De Jager

Ald Wyk 18 Woudsend

Samstags geöffnet von 9:00 - 17:00 Uhr


www.houtzaagmolendejager.nl

Pflückgarten
Bascule

Jeltewei t.o.v. nr. 114 Hommerts

Geöffnet in der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstsaison


www.kwekerijdebascule.nl

TEKST: GEERTJE BOUMA-POSTHUMA, FOTOGRAFIE: JAN TIJSMA UND PLUKTUIN DE BASCULE