bier

ein Grundnahrungsmittel

Brauerei Us Heit in Bolsward bietet
ein Erlebnis mit ein paar Umdrehungen

Hopfen, Hefe, Malz und Wasser. Das ist alles, was die Brauerei Us Heit aus Bolsward für ihr Tagewerk braucht. Früher war vor allem das Wasser bisweilen knapp. Heute dreht man einfach den Wasserhahn auf, aber vor 700 Jahren war daran noch nicht zu denken. Denn damals lag Bolsward an der Zuiderzee, und Salzwasser floss durch die Adern dieser friesischen Hansestadt. Süßwasser holte man aus Flüssen und Seen. Wie das vor sich ging, ist auf einem Wandgemälde in der Brauerei Us Heit zu sehen. Überhaupt: Jeder der hier einkehrt, um Bier oder Whisky zu probieren, der nimmt mit jedem Schluck auch ein Stück Geschichte zu sich. Besitzer und Braumeister Aart van der Linde macht nämlich jede Brauereiführung zu einem Erlebnis. Einem Erlebnis mit ein paar Umdrehungen.

Salzwasser in Bolsward

Wir begeben uns auf eine Zeitreise ins 14. Jahrhundert. Das Salzwasser der Zuiderzee schwappt in den Grachten der Stadt. Bolsward floriert. Denn dank dieses Wassers konnte im großen Stil Handel getrieben werden. Gemeinsam mit Stavoren gehörte Bolsward zum Verbund der Hansestädte in Friesland. Das Salzwasser hatte (und hat) aber auch eine Kehrseite: es ist ungenießbar. Und Kläranlagen kannte man damals noch nicht. Wenn sich der Durst einstellte, war die Auswahl eher dürftig. Die Elite trank in der Regel Wein, für das einfache Volk gab es Bier. Süßwasser wurde aus Seen oder Flüssen gewonnen. Dafür machten sich die Bolswarder mit Booten auf den Weg.

Schwerstarbeit

Überall an den Seen und Flüssen gab es Schöpfgalgen: große Hebebäume aus Holz. Auf der einen Seite breit und schwer, auf der anderen Seite konisch und leicht. Ein Mann in einem solchen überdachten Schöpfgalgen konnte die leichte Seite des Hebels nach unten ziehen. An dieser Seite befand sich ein großer Eimer, der ins Wasser getaucht wurde. Das schwere Gewicht auf der anderen Seite zog den vollen Eimer nach oben, der sich daraufhin in eine Rinne entleerte. Am Ende dieser Rinnen standen Fässer. Diese Fässer gingen auf Transport nach Bolsward, wo sie wiederum entleert werden. Zum Beispiel bei der Brauerei. Auch hier gab es wiederum einen Schöpfgalgen.

Bier: ein Grundnahrungsmittel

Als Getränk gehörte Bier für viele Menschen zum ersten Lebensbedarf. Allerdings hatte das Bier, das damals gebraut wurde, einen wesentlich geringeren Alkoholgehalt als heute. Zur Verlängerung der Haltbarkeit wurde dem Bier Hopfen zugesetzt. In Kriegszeiten wurden die Getränke in Bolswaard allerdings knapp. Denn solange der Feind vor den Toren stand, war es lebensgefährlich, Wasser aus Flüssen und Seen zu holen. Um dennoch ausreichend Bier brauen zu können, musste Regenwasser aufgefangen werden. Das geschah in sogenannten Wasserhäusern. Diese kleinen Anbauten neben bestehenden Häusern fingen so viel Regenwasser wie möglich in großen Tonnen auf.

WANDMALLERIJ SCHÖPFGALGEN, MALER: DOOR CEES HOMBURG

Brauen mit Wasser aus der Eiszeit

Heute wird zum Brauen Quellwasser aus Spannenburg verwendet. Diese Wasserquelle gibt es seit der Eiszeit. Im Mittelalter hatte man halt noch nicht die Mittel, um Quellen in einer derartigen Tiefe anzubohren. Die Brunnen, die man aushob, waren weniger tief und speisten sich daher in erster Linie von Brackwasser. Und auch das ist nicht trinkbar. Aart van der Linde: „Die Sache mit dem Schöpfgalgen ist eine dieser schönen Geschichten, die wir bei einer Führung immer wieder gerne erzählen. In der Probierstube haben wir diesem Phänomen sogar ein ganzes Wandgemälde gewidmet. Leider hat Rembrandt nicht den Schöpfgalgen aus Bolsward gemalt, sondern den aus Haarlem. Dennoch zeigt das Gemälde, wie viel Aufwand früher getrieben werden musste, um ausreichend Trinkwasser zu haben.“ Wer bei Us Heit auf ein Bier vorbeischaut, fühlt sich durch das Wandgemälde quasi zurückversetzt ins goldene Zeitalter der Stadt Bolsward. Von der Terrasse aus kann man an Sommertagen den Blick auf das benachbarte Hopfenfeld genießen. Während des Gangs durch die Brauerei erinnern alte Instrumente daran, wie früher Bier gebraut wurde. „Aus dem Mittelalter stammen die aber nicht“, relativiert Aart lächelnd.

Whisky-Probe

Aber Aart braut nicht nur Bier. Er ist auch bei den Whisky-Destillierern in die Lehre gegangen. Das hat übrigens mehr mit Bier brauen zu tun als mancher denken möge. Denn zur Herstellung des hiesigen Single Malt Whiskys Frysk Hynder wird zunächst einmal ein sogenanntes Whisky-Bier gebraut. Wer sich für das Verfahren interessiert, kann sich von Aart alle Details erklären lassen und lernt dabei, wie man Whiskys nach Geschmack und Geruch unterscheidet. Am Ende der Führung steht natürlich immer auch eine Bier- und Whiskyprobe. Aart hat für seine Gäste ein besonderes Konzept entwickelt und bringt ihnen bei, worauf es beim Probieren und Riechen ankommt. Neugierig? Auf der Website der Brauerei kann man sich anmelden.

friesische Pferd

Das friesische Pferd ist das älteste einheimische Rassepferd. Der Name ist ein wenig irreführend, denn die historische Forschung hat ergeben, dass schon die Römer dieses Tier als Kriegspferd nutzten. Der stolze Gang ist kennzeichnend für das friesische Pferd.

us heit

Us Heit (Unser Vater) verweist übrigens auf den Stadthalter Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg (1560-1620). Seinen Spitznamen verdankt er nicht nur seiner Rolle als Landesvater, sondern vor allem seiner Tätigkeit als Kapitän-General des friesischen Heeres im Kampf gegen die Spanier.

Interesse

Wer sich für einen Besuch und eine Bier- und Whiskyprobe bei Us Heit interessiert,
kann sich über die Website www.usheit.com anmelden. Führungen sind möglich auf Niederländisch, Englisch oder Deutsch.