StreifZüge durch den Rijsterbos

Ein Mikro-Abenteuer in Gaasterland

Wiepkje Hoekstra

Wiepkje Hoekstra is gek van Fryslân, dieren en buiten zijn.
Met hond Yfke trekt ze er regelmatig op uit in Zuidwest Friesland.
Als blogger verslaat ze haar avonturen voor Waterland van Friesland.

Manche steigen in den Flieger nach Ibiza. Andere buchen eine Luxuskreuzfahrt. Und ich? Ich fahre nach Gaasterland um dem Alltag zu entfliehen und erlebe dort mein eigenes kleines Mikro-Abenteuer. Gaasterland ist ein Landstrich, in dem man die Zeit vergisst: Wo die sanft gewellte Landschaft und die grünen Weitblicke einfach nie langweilig werden, wo man sich klein vorkommt zwischen Jahrhunderte alten Buchen, wo die Kliffs am IJsselmeer ihre magische Wirkung entfalten und wo das weiche Moos zu einer spontanen Pause in der Sonne einlädt.


Wie sonst nirgendwo kann man hier Abenteuer erleben,
die man so schnell nicht vergisst.

Quasi vor der Haustür und dennoch eine völlig andere Welt

Das Konzept „Mikro-Abenteuer“ ist eine Erfindung des Briten Alastair Humphreys. Etwas Neues erleben, etwas Außergewöhnliches. Ohne dafür viel zahlen oder weit fahren zu müssen. Gaasterland ist ein wichtiger Bestandteil des Landschaftsparks Nationaal Landschap Zuidwest Friesland. Wie sonst nirgendwo kann man hier Abenteuer erleben, die man so schnell nicht vergisst. Noch nicht einmal zwei Autostunden von Bremen oder Münster entfernt.

So entstanden die Wälder im Gaasterland

Gaasterland erhielt seine endgültige Form in der vorletzten Eiszeit. Die wandernden Gletscher schufen die Kliffs am IJsselmeer und prägten die leicht hügelige Landschaft. Sandstürme überzogen den Untergrund mit einer dicken Sandschicht, auf der die geheimnisvollen Urwälder gut gediehen. Die heutigen Gaasterlander Wälder sind allerdings Kulturwälder, oft entworfen von Großgrundbesitzern. Das Waldstück Rijsterbos, zum Beispiel, wurde 1676 im Barockstil angepflanzt. Auftraggeber war der Amsterdamer Regent Hiob de Wildt.


Hier flanierten früher die Damen in rauschenden Röcken auf sternförmig aufeinander zulaufenden Waldalleen. Eine Tabakplantage misslang, aber die Holzwirtschaft mit Eichen spülte Geld in die Kasse. De Wildt baute Huize Rijs, ein Schloss mit großzügig bemessenem Schlossgraben, das letztendlich in den Besitz der Familie van Swinderen kam, die es bis 1939 bewohnte. Geblieben sind davon nur Steinwände, die auf die Konturen des Gebäudes schließen lassen. Der umliegende Schlossgarten mit Weiher und Obstgarten für typisch friesische Obstsorten wurde allerdings liebevoll wiederhergestellt.

Angesagt

Heute - ein paar Jahrhunderte später - ist Gaasterland wieder „in“ und kann als angesagter Hotspot punkten. Iebele van der Meulen hat das Gebiet zumindest überzeugt. Der Chefredakteur einer renommierten niederländischen Wohnzeitschrift kaufte sich mit seinen Partnern ein Zweithaus in Gaasterland. Jetzt pendeln die Journalisten zwischen zwei Welten: zwischen ihrer Großstadtexistenz in Amsterdam und der idyllischen Ruhe in der friesischen Natur. In ihrer zum Gästehaus umgebauten Scheune beherbergen sie Leute, denen Kunst, Design und die Natur am Herzen liegt. Ein idealer Ort, wenn man mal für ein Wochenende dem Alltagsstress entkommen möchte, meint zumindest die Tageszeitung Financieel Dagblad.


Und es stimmt: Im Gaasterland findet man wirklich Ruhe. Zum Beispiel bei einem Spaziergang über die majestätisch-breiten Sandwege im Rijsterbos. Oder über die diagonalen Seitenalleen, die de Wildt so sorgfältig plante. In der Regel trifft man keine Menschenseele. Nur ein freundlich grüßender Pake (friesisch für Opa) kreuzte heute meinen Weg. Auf Holzschuhen spazierte er quer durch den Wald, die Hosentaschen voller Hundekuchen für seinen vierbeinigen Begleiter. So kamen wir ins Gespräch. Ein kleiner Plausch unter Hundebesitzern.

Streunern durch den Rijsterbos

Parkmöglichkeiten gibt es in Rijs hinter dem B&B Rijsterbosch und in der Nähe der „Wildtskuorre“ ‘It Fryske Gea’ ist der Verein für Naturschutz in der Provinz Friesland. Der staatlichen Forstverwaltung. Ab hier können Sie den roten oder den blauen Pfeilen folgen oder Sie nehmen gleich den „Hippe-Hexen-und-Pilze-Wanderweg“. Aber noch schöner ist es, wenn man den Wald einfach nur ziellos auf alten Pfaden durchstreift und plötzlich durch die Aussicht auf das hell glitzernde und funkelnde IJsselmeer überrascht wird. Einen weiteren Streifzug, der auf verschlungenen Pfaden am Sudfinsterpolder entlang führt, sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Grünes Panorama soweit das Auge reicht.